Play the Past

Ein Gaming-Fokus

26.10.–6.11.2022 / HAU3, HAU4

Mit machina eX und The Mycological Twist

Games entwerfen eine Vielzahl von Welten. Das HAU versammelt drei unterschiedliche Game-Projekte, die die Vergangenheit mit dem Heute verbinden. Sie entwerfen Schauplätze, in denen die Akteur*innen spielerisch sowohl etwas über gesellschaftshistorische Entwicklungen erfahren als auch alleine oder in der Gruppe Entscheidungen über den Verlauf der Ereignisse treffen müssen. Spiele werden so zu Impulsgebern und Diskursmedien.

Die erfahrenen und seit vielen Jahren am HAU produzierenden Spiele-Entwickler*innen von machina eX und das Künstler*innenduo The Mycological Twist, das ökologische und soziale Praktiken mit digitaler Kultur verbindet, untersuchen im HAU3 zusammen mit dem Publikum das künstlerische Potential von Games. Darüber hinaus empfiehlt die Spiele-Expertin Melanie Eilert für zu Hause “Through the Darkest of Times” des renommierten Berliner Indie-Studios Paintbucket, ein historisches Strategiespiel über den Widerstand gegen den Nationalsozialismus, das sie einem Accessibility-Test unterzieht.

Bild aus „Through the Darkest of Times“ von Paintbucket Games.

Melanie Eilert

Empfehlung: “Through the Darkest of Times” von Paintbucket Games

Als mich das HAU Hebbel am Ufer nach einer Empfehlung für ein Game fragte, das das Publikum zu Hause spielen kann und das einen Bezug zur deutschen Geschichte hat, fiel mir sofort “Through the Darkest of Times” ein.

Darin organisieren die Spielenden eine Widerstandsgruppe gegen das Nazi-Regime. Was zunächst nach schwerer Kost klingt, wird spielerisch in einem Strategiespiel verpackt. “Through the Darkest of Times“ nutzt dafür zwei Mechaniken. Innerhalb der Story-Texte können die Spielenden verschiedene Reaktions- und Antwortmöglichkeiten auswählen. Soll die Priorität zum Beispiel sein, zunächst Aufmerksamkeit auf die Handlungen der Nazis zu lenken oder entscheidet sich die Gruppe, gleichmilitanter vorzugehen?

Davon hängt die Motivation der Gruppe ab und auch, wie verbunden die Gruppenmitglieder den Spielenden gegenüber sind. Am Planungstisch werden auf einer Stadtkarte von Berlin die Aktionen geplant. Welche Gruppenmitglieder sollen für welche Aktion eingesetzt werden? Welche ist die passende Ausrüstung? Für Flugblätter wird zum Beispiel Papier und Farbe gebraucht; diese müssen aber zunächst bei einer anderen Aktion organisiert werden. Die Spielenden müssen bei der Planung von Aktionen strategisch vorgehen und nicht nur überlegen, mit wem und wie sie eine bestimmte Aktion umsetzen, sondern auch in welcher Reihenfolge. Mit jeder Entscheidung riskieren sie den Fortbestand der Gruppe und das Wohlergehen jedes einzelnen Mitglieds.

Bei der Wahl des Spiels habe ich neben einer ansprechenden Umsetzung auch Wert auf Barrierearmut gelegt. Dadurch, dass “Through the Darkest of Times“ am Computer, auf Konsolen und auf Smartphones gespielt werden kann, sind verschiedene Möglichkeiten zur Steuerung des Spiels abgedeckt. Das erleichtert den Zugang für Menschen mit motorischen Behinderungen. Zudem erfolgt die Steuerung ohne Zeitdruck und es müssen nicht mehrere Tasten gleichzeitig betätigt werden.

Außerdem gibt es nur wenig gesprochenen Text; und der wird untertitelt. So können auch hörbehinderte Menschen das Geschehen gut verfolgen.

Größere Einschränkungen gibt es für Menschenmit einer Sehbehinderung. Zumal sich die Grafik auch fast ausschließlich aus grau-braunen Farbtönen zusammensetzt, die mit Weiß, Schwarz und Rot akzentuiert werden. Durch die vielen Grautöne sind die Kontraste manchmal etwas schwach. Außerdem sind Schrift oder Symbole teilweise sehr klein und nicht ganz einfach erkennbar. Hier hätte ich mir eine zugänglichere Grafik und Optik gewünscht.

Abzüglich dieser Einschränkungen lässt sich festhalten, dass “Through the Darkest of Times” Gaming-Erlebnis und Geschichtsvermittlung weitestgehend auf eindringliche Weise zusammenbringt.

© Foto: Anna Spindelndreier