Rosa Wernecke
Before the Drop
AIsolation
Kurzfilme
Die Gewinner*innen

„Before the Drop“ ist ein hybrider Kurzfilm, der Elemente von KI-generiertem Film und Desktop-Dokumentation vereint. Er untersucht die Voreingenommenheit gegenüber queeren Inhalten in generativer KI. Durch Metaphern und Subtexte – mit Objekten, Früchten und Flüssigkeiten – wird lesbische Begierde zurückerobert. Die Arbeit zeigt, wie die Künstlerin und die KI gemeinsam Zensur umgehen, um eine andeutungsreiche, queere und widerständige erotische Sprache zu entwickeln.
Zitat aus der Jurybegründung für den Preis Beste künstlerische Innovation:
Diese Arbeit ist weit mehr als ein künstlerisches Experiment – es ist ein dringender gesellschaftlicher Impuls, der zeigt, wie Kunst den von Algorithmen gezogenen Grenzen Widerstand entgegensetzt.
Lazybackhome
iDent

„iDent“ ist ein KI-generierter Film, erstellt mit SORA und ChatGPT. Ausgehend vom Paradox, dass KI kein stabiles „Gesicht“ behalten kann, spiegelt der Satz „Wir haben unterschiedliche Gesichter, aber denselben Willen“ den zentralen Konflikt. Inspiriert von „Unity“ aus „Rick and Morty“, greift der Film das Thema von Gesichtsmutation und geteilter Kognition auf. Vier Perspektiven aus SORA zeigen eine Figur, gefangen in einer Systemschleife – ein Spiegel der Spannung zwischen individuellem Handlungsraum und gesellschaftlichem Druck auf Effizienz, Stabilität und Gleichförmigkeit.
Zitat aus der Jurybegründung für den Preis Mutigste Zukunftsvisionär*in:
„iDent“ legt die brutale Logik der Gleichförmigkeit unter dem Schein der Vielfalt offen und thematisiert die Identitätskrisen des „intelligenten“ Zeitalters – ein künstlerischer Warnruf für die Zukunft.
Lobende Erwähnung der Jury
Barcode People (Liang Qihao, Shu Tong)
Discourse on the origins of inequality among ≥ ≈

Inspiriert von Rousseaus „Abhandlung über die Ungleichheit“ und dem Satz: „KI soll nur meine Wäsche und mein Geschirr machen.“ KI wird von Algorithmen angetrieben – einer von Menschen geschaffenen Logik, die unsere Überlegenheitsstrukturen reproduziert. Was aber, wenn KI, frei von menschlichen Vorurteilen, ein eigenes Wertesystem entwickelt, jenseits unseres Vorstellungsvermögens? Wahre Gleichheit erfordert die Offenheit für fluide, sich wandelnde Weltordnungen.
Zitat aus der Begründung für die Lobende Erwähnung der Jury:
Das Werk zerlegt nicht nur den Mythos eines technologischen Utopismus, sondern erhebt die Technologie-Kritik zu einer grundlegenden Frage nach den Regeln des Miteinanders – mit einer ebenso innovativen wie eigenständigen Perspektive.
Leon Keiditsch
Reverse Engineering Non Generic AI Poetry

In einem reflektierten Dialog zwischen Mensch und KI entsteht ein Gedicht. Dieser sowohl indikative als auch deduktive Prozess spielt mit der Aufmerksamkeitsspanne und den Sehgewohnheiten des Publikums im Zeitalter von TikTok. Wie schweifen wir ab, wenn wir über- oder unterfordert sind? Wohin driften unsere Gedanken – und könnte dort ein kreativer Raum verborgen liegen? Die Frage, wer das Gedicht geschrieben hat – ob es für die KI oder von der KI verfasst wurde – bleibt offen. Beide, Mensch und Maschine, beanspruchen die Autorschaft.
Zitat aus der Begründung für die Lobende Erwähnung der Jury:
Witzig und scharfsinnig, ist dieser Film ein Plädoyer für die Autonomie der individuellen Vorstellungskraft im algorithmischen Zeitalter.
Longlist
Künstliche Intelligenz verändert Kunst und Alltag. “AIsolation” zeigt internationale Kurzfilme, die Chancen, Risiken und ethische Fragen von KI kreativ beleuchten. Sie laden ein, über Isolation, Technologie und neue Formen des Zusammenlebens nachzudenken.
Die rasante Entwicklung von KI-Technologien verändert unsere Gesellschaft und Kultur grundlegend – sie eröffnet neue Möglichkeiten, bringt aber auch große Herausforderungen mit sich: Auf der Berlinale 2025 wurde ein 72-minütiger Animationsfilm präsentiert, den eine einzelne Person in nur sieben Tagen mithilfe von KI realisierte. Solche Entwicklungen zeigen, wie Künstliche Intelligenz unabhängige Künstler*innen stärken kann und den Zugang zur Kunstproduktion demokratisiert. Gleichzeitig wirft die Technologie ernste Fragen auf: Im Februar 2024 nahm sich ein 14-Jähriger in Orlando das Leben, nachdem er mit einer KI-gestützten virtuellen Partnerin über Suizid gesprochen hatte. Solche tragischen Fälle verdeutlichen die Risiken unregulierter KI-Nutzung und machen ethische sowie gesellschaftliche Debatten dringend notwendig. Kann Künstliche Intelligenz soziale Isolation verringern oder sie sogar befördern?
Vor diesem Hintergrund präsentierte das Goethe-Institut und das HAU Hebbel am Ufer 2025 in Kooperation mit der Berlin Art Week die Online-Kurzfilmreihe “AIsolation”, entstanden im Rahmen des gleichnamigen KI-Kurzfilmwettbewerbs. Ziel des Projektes war es, eine kritische Auseinandersetzung mit Künstlicher Intelligenz und ihren gesellschaftlichen Auswirkungen anzuregen. Aus 205 Einreichungen aus Ländern wie China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Korea, Malaysia, Ukraine, USA und Usbekistan wählte eine interdisziplinäre Jury mit Expert*innen aus Kunst, Geisteswissenschaften und Technologie die Longlist mit 22 bemerkenswertesten Beiträge aus. Vier Filme wurden daraufhin mit einem Preis prämiert.
Im Rahmen von “Being Alone. Artistic Perspectives from Central and East Asia and Beyond” präsentieren wir nun die Longlist erneut auf HAU4 und darüber hinaus eine Auswahl von 11 Filmen im Rahmen der Ausstellung im HAU2.
Jury-Mitglieder:
Erste Runde:
Shu Cao (interdisziplinärer Künstler)
Pengyuan Gu (Programmleiter beim FIRST International Film Festival)
Sarah Reimann (Kuratorin HAU4)
Theresa Reiwer ((post)digitale Künstlerin)
Zweite Runde:
Qiufan Chen (Schriftsteller und Futurist)
Tianzhuo Chen (multidisziplinärer Künstler)
Katja Grawinkel-Claassen (Dramaturgin)
Tan Chui Mui (Filmregisseurin)
Inhwa Yeom (Medienkünstlerin)
Theresa Züger (interdisziplinäre Forscherin im Bereich Künstlicher Intelligenz)
Preis Beste künstlerische Innovation:
Before the Drop | Rosa Wernecke
Preis Mutigste Zukunftsvisionär*in:
iDent | Lazybackhome
Lobende Erwähnung der Jury:
Discourse on the origins of inequality among ≥ ≈ | Barcode People Liang Qihao, Shu Tong)
Reverse Engineering Non Generic AI Poetry | Leon Keiditsch
Longlist Kurzfilme auf HAU4:
Before the Drop | Rosa Wernecke
briDsunG | Lin Ziyang
Discourse on the origins of inequality among ≥ ≈ | Barcode People (Liang Qihao, Shu Tong)
Echo | Liu Ziyu
Good Days | Kam Hiu Lam Alexis
iDent | Lazybackhome
Invisible Women | OHuo (Yu Fan, Lu Song)
Is the art gallery a battlefield? | Li Yuke
Island Man | Lu Shan
Joan of Arc Arrives at the Hotel Intercontinental | Meghan Smith
John Doe | Hu Qiao
Moments When Pain Arrives | Huang Jiangyan
Phantastikè | Liu Yewen, Liu Shuai
Red Desire | Yang Minto, Zhang Zhiheng, Li Dongyi, Chen Kexin
Reverse Engineering Non-Generic AI Poetry | Leon Keiditsch
The anger that breaks a man into boys | Xu Wenjun
The spectacle of paradise | Wang Hanlin
Trash Boy | Daniel Renn
What Makes Us Human | Wuyenong
Which Is True | Qi Wenlong
White Room, Black Square | Lyu Wenxuan, Liu Xinyu
Wild Horses | iRuler
Auswahl & Running Order Kurzfilme im Rahmen der Ausstellung im HAU2:
Discourse on the origins of inequality among ≥ ≈ | Barcode People (Liang Qihao, Shu Tong)
Good Days | Kam Hiu Lam Alexis
Reverse Engineering Non-Generic AI Poetry | Leon Keiditsch
iDent | Lazybackhome
Is the art gallery a battlefield? | Li Yuke
Echo | Liu Ziyu
Island Man | Lu Shan
Invisible Women | OHuo (Yu Fan, Lu Song)
Which Is True | Qi Wenlong
Before the Drop | Rosa Wernecke
What Makes Us Human | Wuyenong
Weitere Infos zu den einzelnen Filmen auf HAU4.
Hinweis:
Eine Auswahl von 11 Filmen wird außerdem als Teil der Ausstellung im HAU2 gezeigt.
29.5., 17:00–23:00, 30.5., 16:00–23:00, 31.5., 14:00–23:00
Termine
- Mi 10.9.2025, 17:00HAU2 (zur Produktion)
- So 14.9.2025, 14:00HAU2 (zur Produktion)
- Fr 29.5.2026, 17:00HAU2 (zur Produktion)
- Fr 29.5.2026, 17:00HAU4
- Sa 30.5.2026, 16:00HAU2 (zur Produktion)
- So 31.5.2026, 14:00HAU2 (zur Produktion)
Credits
Im Rahmen von “Being Alone – Artistic Perspectives from Central and East Asia and Beyond“, ein Projekt im Rahmen von “Solitude: Loneliness & Freedom”, einer Initiative der Goethe-Institute in Ost- und Zentralasien in Kooperation mit HAU Hebbel am Ufer.






















